
JULIAN WALKNER
Cellist im Tiroler Symphonieorchester Innsbruck
Julian Walkner hat im März 2009 als Abschluß seines
Studiums an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Fakultät
für Architektur, seine Diplomarbeit eingereicht:
"Konzerthaus Innsbruck"
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Wie verzweifelt muss man über die Probensituation des
Orchesters sein, daß man als betroffener Orchestermusiker ein Architekturstudium
macht, um bei der Diplomarbeit über ein Konzerthaus für Innsbruck
nachzudenken?
Um ehrlich zu sein, es war nicht die Probensituation, die mich zum Architekturstudium
gebracht hat, das habe ich eigentlich schon mit 15 Jahren beschlossen,
daß ich das machen will, es ist halt immer etwas dazwischen gekommen,
bevor es 2002 dann losging. Aber es stimmt, die Probensituation ist nicht
so, wie sie für ein professionelles Orchester sein soll.
Aber ein Konzerthaus als Diplomarbeitsthema, das ist schon
länger festgestanden?
Nein, im Gegenteil. Ich wollte ein Thema wählen, das mit Musik überhaupt
nichts zu tun hat. Nachdem ich seit meinem sechsten Lebensjahr praktisch
täglich damit zu tun hatte, wollte ich das nicht auch noch in so
einer intensiven Art und Weise bei der Architekturabschlußarbeit
machen. Es war dann so, daß sich im Sommer 2008 Innsbrucks damalige
Bürgermeisterin Hilde Zach für das Orchester in die politische
Schlacht geworfen hat und ein Haus der Musik ankündigte.
Diese Idee wurde ja dann aber ziemlich schnell wieder auf Eis gelegt.
Das Konzept war damals TSOI, Konservatorium, Mozarteum und Archiv in einem
Gebäude auf dem Platz der Stadtsäle unterzubringen. So gerne
ich ein Haus für das Orchester sehen würde, sowenig kann ich
mit der Idee anfangen, an diesem Ort einfach so viel wie möglich
in einem Gebäude unterzubringen.
Das hat mich dann dazu gebracht darüber nachzudenken, wie ich es
machen würde. Es ist einer der interessantesten Standorte in Innsbruck,
und ich denke, es braucht dort ein Gebäude, das so offen und öffentlich
ist, daß jeder dort ein- und ausgehen will und kann.
Wie war die Herangehensweise an den Entwurf? Macht man sich
da zuerst Gedanken über den Saal oder darüber, wie es außen
aussehen soll.
Es war von Innen nach Außen und wieder nach Innen.
Die Idee von der Vernetzung war ein Grundgedanke und damit auch die Festlegung,
daß der Saal als Solitär in der Mitte der Ausgangspunkt für
ein Netzwerk sein würde.
Die gerundete Form für den Saal hat sich angeboten, weil ich die
Zuhörer um die Bühne herum platzieren wollte. Das finde ich
an der Berliner Philharmonie von Hans Scharoun und an vielen Nordamerikanischen
Konzerthäusern sehr reizvoll.
Und die Saalform ermöglicht es, den angrenzenden Raum an manchen
Stellen weiter und an manchen enger werden zu lassen.
Die Fassade soll wie ein Vorhang wirken. Am Abend, wenn die Konzerte stattfinden
und die Innenbeleuchtung eingeschalten ist, wird dieser Vorhang durchlässig
für neugierige Blicke.
Wie ich das Bild vom Saal gesehen habe, habe ich mir gedacht,
schönes Bild, aber würde der Saal auch funktionieren?
Ich habe mit dem Akustiker Franz Fleischanderl zusammengearbeitet, der
für mich einige Nächte geopfert hat. Die Saalform mit den drei
abgerundeten Ecken hat er schon kritisch gesehen, weil es ohne Gegenmaßnahmen
zu einer Bündelung der Reflexionen kommen würde. Aber er hat
dann mit seinem Wissen und seiner Software so gezaubert, daß dann
ein sehr schönes Simulationsergebnis herausgekommen ist.
Es sind nur meine persönlichen Gedanken zu diesem Thema im Rahmen
einer Diplomarbeit, aber ich hoffe, sie können ein bisschen die Fantasie
der Politik anregen. Ein adäquater Probensaal für das Orchester
wäre schön, aber ein Konzerthaus wäre noch schöner...

Um die Diplomarbeit zu sehen bitte auf das Bild klicken!
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